50 Jahre Kunstpreis Karlsruhe 2025 – Perspektive, Retrospektive

Zwischen Theologen, Kunstliebhabern und kritischen Geistern hebt sich ein Schmetterling in die Luft – während Martin Luther schweigt.
Oder besser gesagt: zum Schweigen gebracht wird.
Genau vor meinem Werk Ceci n’est pas Cranach entstand ein Moment der Spannung, eingefangen in einem Bild mit Karlsruhes Bürgermeister Albert Käuflein. Er kommentierte es mit den Worten:

“Martin Luther muss den Mund halten, und die Künstlerin ist selbst ein Kunstwerk.”

Diese Aussage löste eine leidenschaftliche Diskussion auf Facebook aus – ein Zeichen dafür, dass Kunst nicht nur betrachtet, sondern auch hinterfragt werden will.

Ceci n’est pas Cranach – Was wird gesehen, was wird übersehen?

Mein Gemälde ist ein Spiel mit Erinnerung und Sichtbarkeit. Es geht nicht darum, Luther zum Schweigen zu bringen, sondern darum, die Frage zu stellen: Wer bleibt sichtbar, wer wird vergessen?
Lukas Cranach war der künstlerische Übersetzer der Reformation, doch während Luthers Worte über Jahrhunderte nachhallen, bleibt Cranach oft im Schatten.
Das Duct Tape ist ein Symbol – nicht der Zensur, sondern der Reflexion über Macht, Erinnerung und das, was in der Geschichte Bestand hat.

Die Diskussion: Kritik, Ironie und Kunst als Provokation

Die Reaktionen auf das Bild reichten von begeisterter Zustimmung bis hin zu tief empfundenem Unmut. Ein Kommentator stellte die Frage:

Warum soll Luther jetzt den Mund halten? Weil er dennoch an etwas Höheres glaubte?”

Eine andere Stimme fand es spannend, wie die Kunst Reformationsgeschichte und heutige Debatten miteinander verknüpft:

Luther kämpfte gegen den Machtmissbrauch der Kircheheute kämpfen wir gegen neue Formen der Bevormundung. Wer entscheidet, welche Geschichte erzählt wird?”

Und dann war da die Perspektive einer verletzten Betrachterin:

“Als Christin bin ich enttäuscht. Luther öffnete den einfachen Menschen den Zugang zur Bibel. Warum muss er jetzt still sein?”

Doch genau darum geht es in der Kunst: Emotionen wecken, Widerspruch herausfordern und Denkanstöße geben. Kunst ist keine fertige Antwort, sondern eine Einladung zum Diskurs.

Wer interpretiert heute für uns?

Damals mussten die Menschen Bilder lesen, weil 80 % Analphabeten waren.
Heute scrollen viele lieber durch Bilder als sich mit Texten auseinanderzusetzen.

Cranach und Dürer sprachen durch ihre Kunst zu den Massen – so wie es heute Memes, Reels und visuelle Kunst tun.
Die Frage bleibt: Wer interpretiert heute für uns, wenn wir die Tiefen eines Bildes nicht mehr lesen?

Für alle, die sich intensiver mit den Symbolen und der künstlerischen Konzeption von Ceci n’est pas Cranach auseinandersetzen möchten, hier mehr dazu:
➡️ Mehr über das Werk erfahren

Die Ausstellung läuft noch bis zum 2. April 2025.
Ich lade Sie ein, nicht nur zu schauen, sondern auch zu hinterfragen.


Kein Preis – aber eine Laudatio ✨
Mein Bild Ceci n’est pas Cranach wurde beim Kunstpreis Karlsruhe als
groteskes Amalgam aus Cranach, Luther, Magritte und Cattelan“ beschrieben.
✨ Klingt für mich wie: Mission erfüllt.
Als bayerische Katholikin im Exil den evangelischen Meister nach 500 Jahren nochmal auferstehen zu lassen?
Warum nicht.
Denn Kunst darf irritieren, polarisieren – und zum Denken anregen.

Zum Beitrag des Kunstpreises: 50 Jahre Kunstpreis Karlsruhe: Rückblick, Ausblick & Preisträger 2025

Unter dem Motto „Perspektive – Retrospektive“ feierte der renommierte Kunstpreis der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe sein 50-jähriges Bestehen.
643 Künstler:innen reichten digital ihre Werke ein – 88 wurden für die Ausstellung ausgewählt, drei Preisträger:innen gekürt.

In ihrem Blogartikel erfährst Du:
• Wer die diesjährigen Gewinner sind
• Wie das Thema Vergangenheit & Zukunft künstlerisch interpretiert wurde
• Warum der 1. Preis ein US-Navy-Hubschrauber schminkendes Model zeigt
• Und was Dich 2026 mit dem Thema „Radikale Verunsicherung“ erwartet

Die Ausstellung noch bis zum 2. April besuchen
Beratungszentrum der Sparkasse Karlsruhe Kaiserstraße 223, 76133 Karlsruhe


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julieboehm

Artist for painting, multimedia, film living in Germany

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